Die aktuelle Faktenlage zu den geplanten Sicherheitsmaßnahmen um die atomaren Zwischenlager wirft weiterhin mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Die Nachrichten über die baurechtliche Genehmigung von zusätzlichen Schutzmauern rund um das atomare Zwischenlager in Gundremmingen kamen für die Öffentlichkeit sehr überraschend. Dabei ist die Sache schon länger in Planung.
Das war der Titel der von mir beantragten Aktuellen Stunde in dieser Woche im Plenum am 13.12.11.
Inhaltlich ging es mir einerseits darum, dass ein halbes Jahr nach der Verkündung der Energiewende in Bayern durch Horst Seehofer immer noch wenig Aktivitäten der Staatsregierung zu sehen sind. Andererseits häufen sich aber auch die Anzeichen, dass die alten Lobbyisten kräftig am Scheitern der Energiewende arbeiten.
Vollkommen überraschend hat der Wirtschaftsausschuss des Landtags meinen Antrag auf Beteiligung der Landtagsfraktionen im Beirat der neu gegründeten Energieagentur abgelehnt.
Noch bei der Sitzung der Energiekommission am 23. November war einmütig die Stimmung, dass es nicht sein könne, dass dem Beirat u.a. sieben Vertreter der Staatsregierung, der E.ON Konzern, der Bauernverband, die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, aber keine gewählten VolksvertreterInnen angehören. Ich wollte mit meinem Antrag sicherstellen, dass dies zügig und unter Beteiligung aller Fraktionen geschieht.
Merkwürdiges Abstimmungsverhalten der Regierungsfraktionen im heutigen Wirtschaftsausschuss.
Ernüchternd war die Beratung von drei relativ „harmlosen“ Energieanträgen im Wirtschaftsausschuss. Unser Antrag für ein Förderprogramm zum Bau von regenerativen Grundlastkraftwerken für kommunale Stadtwerke wurde ebenso abgelehnt wie unsere Forderung nach einem vernünftigen Konzept zum Ausbau von Stromspeichern. Richtig kurios wurde es bei unserem dritten Antrag. Selbst die von Seehofer selbst verkündete Ablehnung des Neubaus von Kohlekraftwerken in Bayern fand nicht die Zustimmung der Abgeordneten von CSU und FDP.
Heute hat das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung die Zahlen für die Stromerzeugung in Bayern im Jahr 2010 veröffentlicht, mit guten Nachrichten:
- Jede vierte Kilowattstunde in Bayern stammt bereits aus erneuerbaren Energien (Tendenz stark steigend)
- Nur noch jede zweite Kilowattstunde in Bayern stammt noch aus Atomkraftwerken (Tendenz langsam fallend)
Und das alles sind noch Zahlen aus einer Zeit, als schwarz-gelb noch vehement gegen die Energiewende und für eine Laufzeitverlängerung gekämpft hat.
Angesichts des laufenden UVP-Verfahrens zum Ausbau des Atomkraftwerks Temelin um die Blöcke 3 und 4 und zum neu aufgelegten tschechischen Atomprogramm, forderte ich im Plenum dieser Woche die Bayerische Staatsregierung zu mehr Engagement auf.
Konkret geht es um die Behandlung von 3000 Einwendungen, die deutsche Bürgerinnen und Bürger gegen den Ausbau von Temelin erhoben haben. Nach den Plänen der tschechischen Regierung sollen diese zu einem noch nicht bekannten Datum in Budweis erörtert werden. Ich fordere hingegen, dass dieser Erörterungstermin an einem gut erreichbaren Ort in Deutschland stattfindet.
Die tragischen Ereignisse vom 11. März 2011 in und um Fukushima haben die energiepolitische Debatte in Deutschland grundlegend verändert.
Eine als revolutionär bezeichnete Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke wurde nach einem knappen halben Jahr wieder zurückgenommen. Die Frage, ob eine „Energiewende“ nötig sei, war bis ins letzte Jahr noch heiß umkämpft. Seit dem Sommer dieses Jahres reden Vertreter aller politischer Schattierungen von der „Energiewende“. Doch scheint es so, dass lediglich der Begriff übernommen wird, ohne die Radikalität der notwendigen Energiewende zu begreifen.
Fast ein halbes Jahr nachdem die Idee geboren wurde und knapp drei Monate nachdem die Namen der Vorsitzenden schon in der Presse zu lesen waren, hat sich am Donnerstag dieser Woche endlich die „Energiekommission“ des Bayerischen Landtags konstituiert. Doch so richtig in Fahrt gekommen ist diese Kommission bisher noch nicht. Nach einer halben Stunde vertagte sich das Gremium auf die letzte Oktoberwoche um dort die weiteren Verfahrensfragen zu besprechen. Das Gremium soll nur einmal im Monat tagen.
Endlich kümmert sich jemand um diese Angelegenheit. Seit fast 2 Jahren versuchen wir im Netzgebiet der E-Werke Reutte (Altlandkreis Füssen) einen vernünftigen Wechsel hinzubekommen. Es gibt ganz wenige Anbieter, die tatsächlich eine Vereinbarung mit den E-Werken Reutte haben, die meisten - günstigen- winken auf Anfrage ab. Interessant ist, dass auf der Homepage www.ewr.at ein Dokument herunterladbar ist, in dem beschrieben ist, was alternative Anbieter machen müssen (u.a. der Tiroler Bilanzgruppe beitreten).
Faktisch haben die E-Werke Reutte durch die Behauptung, nicht am deutschen Stromnetz zu sein, eine quasi Monopolstellung, die sie erfolgreich verteidigen. In Seeg ist der Ort sogar geteilt: ein Teil österreichisch, ein Teil Allgäuer Überlandwerke. Warum wird denen nicht vorgeschrieben, dass sie eine Verbindung herstellen müssen?
Vielen Dank für diesen unheimlich interessanten und ausführlichen Artikel! Wir sind da ganz Ihrer Meinung und freuen uns immer wieder, wenn wir Blogs von Menschen wie Ihnen finden.
Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium
Wer sich über die Modellregion Bayern, dem eWald, bzw. über die Elektromobilität in Bayern überhaupt informieren möchte, der findet auf www.eMobility-Bayern.de mit dem Untertitel: „Wunsch und Wirklichkeit – fast schon Satire“, schon mehr als 260 Berichte und die haben es teilweise in sich!
Viel zu wenig ist bekannt, daß die Effizienz von PV-Freiflächenanlagen mindestens 50 mal höher ist als die Stromerzeugung mit auf der gleichen Fläche geernteter Biomasse.
Das kann leicht nachgerechnet werden.
Hallo Herr Hartmann,
etwas war ich heute erstaunt über ihr Interview in B3, wo sie gesagt haben, dass es bei der Olympia auch um den Umweltschutz gehe. Anscheinend ist die Umwelt in anderen Ländern nicht zu schützen. Glauben Sie wirklich, dass bei der Planung in unserem Land nicht an die Umwelt gedacht wurde. Denken Sie eigentlich auch an unsere Jugend. Für die wäre es mit Sicherheit ein Anreiz gewesen eine Olympiade im eigenen Land zu erleben. Jetzt müssen diese während der Schulzeit in der Nacht schauen.
ANTWORT:
Hallo Herr Rechter,
Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen gerne wie folgt beantworten möchte:
Die Münchner Bewerbung mag im Vergleich der Bid-Books der drei Bewerber vom IOC (!) die minimal bessere ökologische Bewertung erhalten haben, jedoch sind bereits vor Abgabe des Mini-Bid-Books zentrale Projekte wie das Biosphärenreservat oder auch ein energetisches Sanierungsprogramm für Hotels gekippt worden. Nicht ohne Grund sind zahlreiche namhafte Umweltverbände aus der Fachkommission Umwelt, die die Bewerbungsgesellschaft eingerichtet hatte, ausgetreten. Diese Fachkommission wurde von Beginn an zu einem reinen Scheingremium degradiert, das in der entscheidenden Phase vor der Abgabe des Bid Books nicht einmal getagt hätte. Selbst eine Nennung der Öko-Projekte im nur nachgereichten Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept des Münchner Bid Books bedeutet nicht deren automatische Umsetzung. Deren Realisierung ist vielmehr abhängig von dem selbst von Olympiabefürwortern als "Knebelverträgen" bezeichnetem Vertragswerk des IOC, dem die beteiligten Kommunen vorab, ohne Kenntnis des genauen Inhalts, zustimmen mussten. Solange sich willige Austragungsorte finden, die sich dem Diktat des IOC beugen, wird dieser seine einseitigen Vorgaben eher verschärfen als diese transparenter, fairer und nachhaltiger zu gestalten.
Ihre Thesen fußen ja auf der Annahme, dass die Münchner Bewerbung, zumindest aus ökologischer Sicht, die beste der drei Kandidatenstädte darstelle und wir deshalb in der moralisch-ökologischen Verpflichtung stünden, die Spiele nach Bayern zu holen, um eine desaströse Umweltzerstörung wie sie zur Zeit in Sotschi von statten geht, zu verhindern. Dafür müssten wir allerdings unkalkulierbare finanzielle Risiken und nicht tolerierbare Eingriffe in unsere Natur auf uns nehmen, und das ohne die Aussicht auf einen nachhaltigen Mehrwert der geplanten Investitionen. Die Durchführung der Winterspiele in Bayern aus "Umweltschutzgründen", bewirkt keine grundsätzliche Neuorientierung Olympischer Spiele, die zu einer echten Nachhaltigkeit führen könnte.
Ich bin nicht generell gegen die Durchführung Olympischer Winterspiele. Aber es herrscht großer Reformbedarf. Als klimapolitischer Sprecher meiner Fraktion im Bayerischen Landtag habe ich es als meine Aufgabe gesehen, eine Olympiabewerbung, die sich Etiketten wie “Klimaneutralität” zu nutze macht, kritisch zu prüfen. Je mehr ich mich inhaltlich mit der Bewerbung auseinandergesetzt habe, desto mehr bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass diese Bewerbung unter dem Konzept “München +2” keine klimaneutrale oder nachhaltige Bewerbung sein kann. Ich bin sozusagen von einem Kritiker zu einem Gegner dieser Bewerbung “gereift”. Ich bin ein großer Freund des Vorschlags von Reinhold Messner, die Olympischen Winterspiele zwischen 4-5 festen Austragungsorten zirkulieren zu lassen. So könnten immer neue ökologische Eingriffe in anderen Teilen der Erde vermieden und eine wirklich nachhaltige Nutzung der bereits bestehenden, mit Steuergeldern gebauten und unterhaltenen, Sportanlagen garantiert werden. Aus meiner Sicht sollte sich das IOC und damit die Olympischen Winterspiele den Regionen anpassen, an die sie die Spiele vergeben und nicht anders herum.
Olympische Winterspiele sind ja seit ihrer Professionalisierung und Kommerzialisierung in den 80er Jahren nicht mehr das, was sie einmal waren. Die olympischen Werte sind in den Hintergrund gerückt; Gewinnmaximierung und die Erschließung neuer Märkte stehen heute im Vordergrund. Dies lässt sich auch gut an den Präsentationen der Bewerberstädte festmachen: Sowohl bei der Münchner, als auch bei der südkoreanischen Bewerbung wurden die finanziellen Vorteile die dem IOC bei Vergabe an die jeweiligen Ausrichterorte erwarten sollen, in den Vordergrund gestellt. Ein weiteres Augenmerk der Bewerbungen wurde auf die möglichen Freizeitmöglichkeiten der IOC-Mitglieder gelegt. Luxushotels, Gala-Dinner, exklusive Shoppingmöglichkeiten; das sollte die IOC-Mitglieder überzeugen.
Erlauben Sie mir noch ein paar Worte zum Stichpunkt Jugend: Schauen wir uns doch mal die Teilnehmerländer bei der letzten Winterolympiade in Vancouver etwas genauer an: In Vancouver nahmen 82 Nationen teil (zum Vergleich: Bei einer Fußball-WM sind es 204 Länder), wobei nur 51 Länder mehr als 3 TeilnehmerInnen und 32 Länder mehr als 10 TeilnehmerInnen stellten. Diese 32 Länder sind allesamt reiche Industrieländer, die mit Ausnahme von Australien allesamt auf der Nordhalbkugel zu finden sind. Selbst bei den 82 teilnehmenden Nationen weisen die Schwellen- und Entwicklungsländer große weiße Flecken in der Teilnehmerkarte auf. Dies kann natürlich auch durch die benötigten klimatischen Verhältnisse, aber auch mit dem meist teuren Materialaufwand erklärt werden. Die Idee vom Treffen der "Jugend der Welt" betrifft also vor allem bei Olympischen Winterspielen einen eher exklusiven Kreis. Zumal kann ich ihre Argumentation auch umdrehen, denn durch die Wahl Südkoreas haben nun die Bewohner Asiens und Ozeaniens besser Möglichkeiten die Olympischen Winterspiele zu verfolgen. Ob jedoch das Interesse an Olympischen Winterspielen, gerade bei den jüngeren Generationen, so groß ist, wie sie annehmen, wage ich zumindest zu bezweifeln. Laut dem Ergebnis des “Bayern-Trend” vom Januar 2011 beantworteten 50% der jungen Menschen in der Altersgruppe 18-24 Jahre die Frage “Sollten die Olympischen Winterspiele in München stattfinden?” mit Nein. Nur 45% antworteten mit “Ja”. Damit ist die Mehrheit in der jüngsten erhobenen Altersgruppe mehrheitlich gegen die Olympischen Winterspiele in München eingestellt.
Ich hoffe Ihnen meinen Standpunkt etwas näher gebracht zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Ludwig Hartmann
Sehr geehrter Herr Hartmann,
Sie werden in diversen Artikeln immer wieder als "Energieexperte" bezeichnet. Aus Ihrem oben genannten Werdegang wird jedoch nicht klar, woduch Sie sich diese Expertise erworben haben. Könnten Sie hierzu Stellung nehmen bzw. Ihren Werdegang entsprechend ergänzen? Vielen Dank!
Gruss,
W. Schmid
ANTWORT:
Sehr geehrter Herr Schmid,
die Bezeichnung "Energie-Experte" wurde mir von der Presse "verliehen". Ich führe offiziell die Bezeichnung des mir von meiner Fraktion anvertrauten Aufgabengebiets als "klima- und energiepolitischer Sprecher" der Grünen im Bayerischen Landtag.
Sie haben Recht, wenn Sie mutmaßen, dass ich kein Hochschulstudium in einem technischen Studiengebiet abgeschlossenen habe. Dies ist meines Erachtens allerdings auch nicht notwendig um Entwicklungen und Ereignisse im Energiesektor POLITISCH bewerten zu können. Ich habe mich bereits vor meinem Eintritt in den Bayerischen Landtag intensiv mit der Materie beschäftigt.
Als Politiker ist es nicht meine Aufgabe höchste wissenschaftliche Ehrungen zu erstreben, sondern anhand der mir vorliegenden Fakten und auf Basis meines Wahlprogramms, für das ich von den Wählerinnen und Wählern in den Bayerischen Landtag entsandt wurde, Entscheidungen zu treffen. Ich bin davon überzeugt auch wissenschaftliche Arbeiten korrekt interpretieren und mir darauf aufbauend meine Meinung bilden zu können. Gerne greife ich bei der Bewertung energiepolitischer Fragestellungen auf wissenschaftliche Analysen und Fachmeinungen zurück. Am Ende muss jedoch eine politische Entscheidung stehen, für die ich als Abgeordneter auch die Verantwortung tragen muss. Sehr gerne diskutiere ich mit Ihnen meine energiepolitischen Standpunkte und die klimapolitischen Forderungen meiner Fraktion und meiner Partei.
Beste Grüße
Ludwig Hartmann
Ein Pumpspeicheratlas für Bayern wäre ein guter Anfang. Der wäre dann für die ganze BRD incl. Nachbarländern mit denen rege Strom austauschen und alle wichtigen Speichertechnologien, einer Bedarfsabschätzung und Technologieempfehlung für einzelne Regionen zu erweitern. Gemäß einer Studie der Boston Consulting Group und dem Entwurf Leitstudie 2011 besteht in unserem Land in den nächsten Jahren ein hoher Bedarf an Energiespeichern. Vor dem Hintergrund wäre ein Speicheratlas (dena für Energiespeicher) wünschenswert.
Das Thema Energieversorgung ist sehr komplex und für einzelne Wirtschaftsbereiche kaum im Gesamtzusammenhang zu fassen. Hier sollte die Politik jede erdenkliche Hilfe bereitstellen und der Industrie eine gute Planungsgrundlage vorgeben.
Produktanbieter für Energysysteme brauchen mehr als Modelle und Szenarien, um maßgeschneiderte Bausteine für unsere zukünftige Energielandschaft bereitzustellen. Nur wenn sich kurz bis mittelfristig ausreichend hohe Geschäftspotentiale und Gewinnmöglichkeiten sicher abzeichnen, kommen wir zu neuen zukunftsfähigen und nachhaltigen Techniklösungen.
Unsere Tagespolitik führt bei Großprojekten häufig zu wechselnden Bewertung von Geschäftsmodellen / Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und macht die Überwindung von Brückentechnologien sehr schwer.
Auch, wenn die Frage hier nicht hinpasst: Was stimmt denn nun eigentlich wirklich?
Sind 63/160 Grundstückbesitzer entscheidend oder doch nur der Eine?
Hallo Herr Hartmann, Sie haben meine volle Sympathie. In einem grössenwahnsinnigen (naja, nicht direkt vergleichbar, aber es ging auch ums große Geld) Projekt vor längerer Zeit in Nürnberg mußte ich leider erleben, daß auch innerhalb der Grünen beträchtliche EGO Orientierungen (personell) vertreten sind, und das EGO spielt bei dem Jahrmarkt der olympischen Eitelkeiten durchaus keine untergeordnete Rolle. Wie steht eigentlich, um bei Olympia zu bleiben, Christine STAHL MdL ("Landtags-Vize-Präsidentin usw.) zu der ganzen Olympia Geschichte ??
Da bleibt nur zu hoffen, dass schwarz/gelb die Zeichen der Zeit auch erkennen. Sonst brauchen sie Nachhilfe. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt.
Die Bürgerliste Salzburg hat – erstaunlicherweise fast unbeachtet – die Rechtsgutachten der Rechtsabteilungen der Stadt und des Landes Salzburg über den Host City Vertrag, der mit dem IOC im Falle des Zuschlages gemacht wird, veröffentlich. Beide Gutachten kommen voneinander unabhängig zum Schluss, dass dieser Vertrag wegen ungleicher Verteilung der Pflichten zu Ungunsten der öffentlichen Hand sittenwidrig und damit auch ungültig wären.
Wieso kann das TÜV-Gutachten nicht online gestellt werden!?
Sehr geehrter Herr Hartmann,
ich habe hohen Respekt vor Ihrem Engagement
gegen die Olympiade 2018. Ich sah Sie gestern auch in der Münchner Runde und kann Ihren Argumenten nur zustimmen.
Wir sind immer noch im 'alten Rom' mit 'Brot und Spielen' beschäftigt und das nach diesem Finanzdesaster insbesondere auch der Landesbanken. Dass Politiker mit Geld nicht umgehen können, kommt hinzu.
Grotesk ist weiter, dass Infrastruktur-Maßnahmen angebeblich nur über olympische Geldverschwendung erreicht werden können.
Dass die Garmischer Bauern sich wehren ist i.O..
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren weiteren Aktionen.
Mit freundlichen Grüßen
Gerd Backhaus
Ich bin stolz auf unsere garmischer und oberammergauer Bauern, die in der Tradition von Graf von Staufenberg und der weißen Rose gegen diesen Olympiairrsinn kämpfen und damit schwere Probleme mit der mächtigen Olympialobby rsikieren.
Auch wenn die damaligen Verhältnisse nicht vergleichbar sind, der Grundgedanke ist der Gleiche.
Nun warte ich darauf, bis die wackeren Bauern mit Polizeiknüppeln von den Wiesen ihrer Vorfahren geprügelt werden.
Ich hab ja nichts gegen Sport - aber doch nicht in einem der letzten naurlandschaften Bayerns solchen Komerz - Irrsinn von zugedopten "Sportlern". Die CSU hat uns Bürger einst beschützt - nun verrät sie uns.
Guten Abend Herr Hartmann,
ich habe in der Münchener Runde gesehen und ihr radikales nein zu München erkennen müssen, mich interessiert nun wie Sie zur WM 2006 in Deutschland standen? Weil auch bei diesem Großereignis mit Steuergeldern in Vorleistung gegangen wurde und wie unser Image nun im Ausland ist. Auch ist Deutschland ein sehr Sport ,ins besonders Wintersport begeistertes Land im Gegensatz zu Italien wo Wintersport außerhalb von Südtirol ein Schattendasein führt. (z.B. WM in Oberstdorf vs. val di Fiemme )
MFG Philipp
ANTWORT:
Sehr geehrter Herr Philipp,
Vielen Dank für ihre Anfrage.
Aus meiner Sicht lässt sich die Fußballweltmeisterschaft 2006 kaum mit der Bewerbung “München+2” für die olympischen Winterspiele 2018 vergleichen: Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland fand in Gänze in Metropolregionen statt, in denen für Massenevents ungleich bessere Infrastrukturbedingungen gegeben sind als in Gemeinden mit 25953 (Garmisch-Partenkirchen), 5314 (Schönau) oder 3250 Einwohnern (Ohlstadt). Von den 12 Spielstätten bestanden 10 bereits und mussten lediglich an gleicher Stelle auf den neuesten Stand renoviert werden. Alle WM-Stadien konnten einer Nachnutzung zugeführt werden, selbst das aufgrund des Regionalproporzes umgebaute Stadion in Leipzig kann als Veranstaltungsort für Konzerte und neuerdings zumindest auch für Regionalliga-Fußball nachgenutzt werden.
Fußball ist als Sport nicht so klimaabhängig wie der Schneesicherheit benötigende Wintersport. Ohne den Wintersport-Fans zu nahe treten zu wollen, aber an die Popularität des Fußballs kommt die Winterolympiade sowohl in Deutschland, als auch weltweit bei Weitem nicht heran. In Vancouver nahmen 82 Nationen teil, wobei nur 51 Länder mehr als 3 TeilnehmerInnen und 32 Länder mehr als 10 TeilnehmerInnen stellten. An der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 nahmen 204 Länder teil. Fußball wird allein in Deutschland von über sechseinhalb Millionen Vereinssportlern in über 27.000 Vereinen betrieben. Marktanteile bei der Übertragung von Spielen der Fußball-WM von 89,2% und 31,1 Mio. Zuschauern an den eigenen Fernsehgeräten, also ohne Public Viewing, stellen auch für den olympischen Wintersport unerreichbare Höhen dar.
Ich habe, wie meine Partei, den WM-Zuschlag aus dem Jahr 2000 ebenfalls begrüßt. Regional gab es jedoch unterschiedliche Zielkonflikte. In München haben wir uns für einen behutsamen Umbau des Münchner Olympiastadions ausgesprochen. Dieser scheiterte leider an den Interessen der beiden großen Münchner Fußballvereine und am Einspruch des kürzlich verstorbenen Architekten Günther Behnisch. Aufgrund der prekären Lage im FFH-Gebiet der Fröttmaninger Heide, den hohen öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur des Stadions, wie Autobahnzufahrten, etc., des hohen Flächenverbrauchs und der vor allem aus städtischer Sicht ungünstigen Konkurrenzsituation zum Olympiapark, haben die Münchner Grünen beim Bürgerentscheid 2001 dafür geworben, einen Stadionneubau abzulehnen. Am 21.10.2001 sprachen sich jedoch 65,8% für einen Stadionneubau aus. Zumindest wurde das Münchner Stadion an sich komplett von privater Hand finanziert.
Wir Grüne in Bayern haben z.B. die seitens der Staatsregierung dilettantisch durchgeführten Planungen zum Begleitprogramm der Fußball-WM in Bayern oder auch die damit zusammenhängenden Beraterverträge stets kritisch hinterfragt.
Trotz dieser und anderer Kritikpunkte, wie dem ebenfalls äußerst kritisch zu sehenden Vertragswerk der FIFA, die erst in den letzten Jahren vom IOC als weltweit intransparenteste Organisation abgelöst wurde, und den immer noch zu hohen Anteil öffentlicher Bürgschaften und Investitionen in die Sportstätten (auch wenn der Anteil privater Investitionen in die olympischen Wintersportstätten ungleich geringer ausfallen wird!), hoffe ich Ihnen dargelegt zu haben, warum sich meiner Ansicht nach die jetzt vorliegenden Planungen der Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Winterspiele 2018 kaum mit der Durchführung der Fußball-WM 2006 vergleichen lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Ludwig Hartmann