06 07 11 | Pressemitteilungen
Das IOC hat entschieden
NOlympia: Erleichterung über die Vergabe der Winterspiele nach Südkorea
Mit Erleichterung hat der Grüne Landtagsabgeordnete, Ludwig Hartmann, die Vergabe der XXIII. Olympischen Winterspiele an den südkoreanischen Kandidaten Pyeongchang aufgenommen: „Damit bleiben uns in Bayern die schwerwiegenden Folgen einer Ausrichtung erspart: Die einseitige Aufbürdung aller Kosten und Risiken auf die SteuerzahlerInnen, die ökologischen Folgelasten, die Fixierung auf unsinnige Straßenbauprojekte und die mangelhafte Nachhaltigkeit temporär zu errichtender Sportstätten. Normalerweise gratuliert man dem Ausrichter zur Vergabe; ob dies jedoch angesichts der Knebelverträge des IOC und der damit einhergehenden finanziellen und ökologischen Belastungen in diesem Falle angebracht erscheint, sei dahingestellt.”
Die anwesenden Mitglieder des IOC hatten am Nachmittag bereits im 1.Wahlgang die Winterspiele an den südkoreanischen Konkurrenten der Münchner Bewerbung vergeben.
Ludwig Hartmann, der auch als einer der Sprecher von NOlmypia fungiert: „Ich möchte mich bei allen Organisationen, Parteien und Einzelpersonen bedanken, die im Rahmen des olympiakritischen Bündnisses “NOlympia” in den vergangenen Jahren dazu beigetragen haben, der berechtigten Kritik an dem Konzept “München+2” die benötigte Aufmerksamkeit zu verleihen. Wir konnten gut 15.000 UnterzeichnerInnen für unser Anliegen gewinnen und durch unsere fundiert vorgebrachte Kritik am Konzept der Bewerbungsgesellschaft zahlreiche Verbesserungen, auch im Hinblick auf die Transparenz der Pläne, und zumindest in Garmisch-Partenkirchen echte Bürgerbeteiligung erreichen.”
Nach dem Grünen Landtagsabgeordneten gehe es nun darum, die Abwicklung der Bewerbungsgesellschaft zu begleiten und die bereits getätigten Investitionen der öffentlichen Hand kritisch zu hinterfragen. Hartmann: „Insbesondere in Zeiten des Klimawandels sind Olympische Winterspiele in ihrer heutigen Dimension, die alle vier Jahre in einem neuen Gebirgsort riesige Eingriffe erfordern, geradezu ein Anachronismus. Bevor das IOC nicht grundlegende Reformen seiner Vertragsgestaltung und Ausrichtungsmodalitäten vornimmt, sollte jedes Land eine Kandidatur genauestens überdenken.“
- Links:
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Interview mit dem Tagesspiegel vom 07.07.2011:
www.tagesspiegel.de/sport/das-ioc-muss-sich-anpassen/4370348.html
Pressebericht der Berliner Zeitung von Jens Weinreich:
www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0707/seite1/0068/index.html
Pressemeldung auf Spiegel-Online.de vom 07.07.2011:
www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,773030,00.html
Kleine Presseübersicht auf www.gap-fakten.de:
gap-fakten.blog.de/2011/07/08/stimmen-gescheiterten-olympiabewerbung-11442018/
Pressebericht der Bayerischen Staatszeitung vom 08.07.2011:
www.bayerische-staatszeitung.de/index.php
Pressemeldung auf NWZ-Online vom 08.07.2011:
Bericht der Frankfurter Neuen Presse vom 08.07.2011:
www.fnp.de/fnp/sport/ueberregional/neuer-anlauf-fuer-2022_rmn01.c.9041491.de.html
Radiointerview mit den Bayern3-"Frühaufstehern" am 07.07.2011:
Meldung vom SID auf der Onlinepräsenz des Handelsblatts vom 06.07.2011:
www.handelsblatt.com/nolympia-erleichterung-ueber-ioc-entscheidung/4366468.html
DAPD-Meldung auf der Webpräsenz des Nordbayerischen Kuriers vom 07.07.2011:
www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/1303852/details_8.htm
Pressemeldung auf welt-online.de vom 07.07.2011:
www.welt.de/print/welt_kompakt/vermischtes/article13472893/Party-im-Eimer.html
Pressebericht des Schwarzwälder Boten vom 06.07.2011:
DAPD-Meldung auf ad-hoc-news.de vom 06.07.2011:
www.ad-hoc-news.de/traenen-auf-dem-marienplatz--/de/News/22268267
Pressemeldung auf Sueddeutsche.de vom 06.07.2011:
Reaktionen im Onlineangebot der Mitteldeutschen Zeitung vom 06.07.2011:
www.mz-web.de/servlet/ContentServer
Pressebericht der TAZ von Sebastian Kemnitzer am 06.07.2011:

Hallo Herr Hartmann,
etwas war ich heute erstaunt über ihr Interview in B3, wo sie gesagt haben, dass es bei der Olympia auch um den Umweltschutz gehe. Anscheinend ist die Umwelt in anderen Ländern nicht zu schützen. Glauben Sie wirklich, dass bei der Planung in unserem Land nicht an die Umwelt gedacht wurde. Denken Sie eigentlich auch an unsere Jugend. Für die wäre es mit Sicherheit ein Anreiz gewesen eine Olympiade im eigenen Land zu erleben. Jetzt müssen diese während der Schulzeit in der Nacht schauen.
ANTWORT:
Hallo Herr Rechter,
Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen gerne wie folgt beantworten möchte:
Die Münchner Bewerbung mag im Vergleich der Bid-Books der drei Bewerber vom IOC (!) die minimal bessere ökologische Bewertung erhalten haben, jedoch sind bereits vor Abgabe des Mini-Bid-Books zentrale Projekte wie das Biosphärenreservat oder auch ein energetisches Sanierungsprogramm für Hotels gekippt worden. Nicht ohne Grund sind zahlreiche namhafte Umweltverbände aus der Fachkommission Umwelt, die die Bewerbungsgesellschaft eingerichtet hatte, ausgetreten. Diese Fachkommission wurde von Beginn an zu einem reinen Scheingremium degradiert, das in der entscheidenden Phase vor der Abgabe des Bid Books nicht einmal getagt hätte. Selbst eine Nennung der Öko-Projekte im nur nachgereichten Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept des Münchner Bid Books bedeutet nicht deren automatische Umsetzung. Deren Realisierung ist vielmehr abhängig von dem selbst von Olympiabefürwortern als "Knebelverträgen" bezeichnetem Vertragswerk des IOC, dem die beteiligten Kommunen vorab, ohne Kenntnis des genauen Inhalts, zustimmen mussten. Solange sich willige Austragungsorte finden, die sich dem Diktat des IOC beugen, wird dieser seine einseitigen Vorgaben eher verschärfen als diese transparenter, fairer und nachhaltiger zu gestalten.
Ihre Thesen fußen ja auf der Annahme, dass die Münchner Bewerbung, zumindest aus ökologischer Sicht, die beste der drei Kandidatenstädte darstelle und wir deshalb in der moralisch-ökologischen Verpflichtung stünden, die Spiele nach Bayern zu holen, um eine desaströse Umweltzerstörung wie sie zur Zeit in Sotschi von statten geht, zu verhindern. Dafür müssten wir allerdings unkalkulierbare finanzielle Risiken und nicht tolerierbare Eingriffe in unsere Natur auf uns nehmen, und das ohne die Aussicht auf einen nachhaltigen Mehrwert der geplanten Investitionen. Die Durchführung der Winterspiele in Bayern aus "Umweltschutzgründen", bewirkt keine grundsätzliche Neuorientierung Olympischer Spiele, die zu einer echten Nachhaltigkeit führen könnte.
Ich bin nicht generell gegen die Durchführung Olympischer Winterspiele. Aber es herrscht großer Reformbedarf. Als klimapolitischer Sprecher meiner Fraktion im Bayerischen Landtag habe ich es als meine Aufgabe gesehen, eine Olympiabewerbung, die sich Etiketten wie “Klimaneutralität” zu nutze macht, kritisch zu prüfen. Je mehr ich mich inhaltlich mit der Bewerbung auseinandergesetzt habe, desto mehr bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass diese Bewerbung unter dem Konzept “München +2” keine klimaneutrale oder nachhaltige Bewerbung sein kann. Ich bin sozusagen von einem Kritiker zu einem Gegner dieser Bewerbung “gereift”. Ich bin ein großer Freund des Vorschlags von Reinhold Messner, die Olympischen Winterspiele zwischen 4-5 festen Austragungsorten zirkulieren zu lassen. So könnten immer neue ökologische Eingriffe in anderen Teilen der Erde vermieden und eine wirklich nachhaltige Nutzung der bereits bestehenden, mit Steuergeldern gebauten und unterhaltenen, Sportanlagen garantiert werden. Aus meiner Sicht sollte sich das IOC und damit die Olympischen Winterspiele den Regionen anpassen, an die sie die Spiele vergeben und nicht anders herum.
Olympische Winterspiele sind ja seit ihrer Professionalisierung und Kommerzialisierung in den 80er Jahren nicht mehr das, was sie einmal waren. Die olympischen Werte sind in den Hintergrund gerückt; Gewinnmaximierung und die Erschließung neuer Märkte stehen heute im Vordergrund. Dies lässt sich auch gut an den Präsentationen der Bewerberstädte festmachen: Sowohl bei der Münchner, als auch bei der südkoreanischen Bewerbung wurden die finanziellen Vorteile die dem IOC bei Vergabe an die jeweiligen Ausrichterorte erwarten sollen, in den Vordergrund gestellt. Ein weiteres Augenmerk der Bewerbungen wurde auf die möglichen Freizeitmöglichkeiten der IOC-Mitglieder gelegt. Luxushotels, Gala-Dinner, exklusive Shoppingmöglichkeiten; das sollte die IOC-Mitglieder überzeugen.
Erlauben Sie mir noch ein paar Worte zum Stichpunkt Jugend: Schauen wir uns doch mal die Teilnehmerländer bei der letzten Winterolympiade in Vancouver etwas genauer an: In Vancouver nahmen 82 Nationen teil (zum Vergleich: Bei einer Fußball-WM sind es 204 Länder), wobei nur 51 Länder mehr als 3 TeilnehmerInnen und 32 Länder mehr als 10 TeilnehmerInnen stellten. Diese 32 Länder sind allesamt reiche Industrieländer, die mit Ausnahme von Australien allesamt auf der Nordhalbkugel zu finden sind. Selbst bei den 82 teilnehmenden Nationen weisen die Schwellen- und Entwicklungsländer große weiße Flecken in der Teilnehmerkarte auf. Dies kann natürlich auch durch die benötigten klimatischen Verhältnisse, aber auch mit dem meist teuren Materialaufwand erklärt werden. Die Idee vom Treffen der "Jugend der Welt" betrifft also vor allem bei Olympischen Winterspielen einen eher exklusiven Kreis. Zumal kann ich ihre Argumentation auch umdrehen, denn durch die Wahl Südkoreas haben nun die Bewohner Asiens und Ozeaniens besser Möglichkeiten die Olympischen Winterspiele zu verfolgen. Ob jedoch das Interesse an Olympischen Winterspielen, gerade bei den jüngeren Generationen, so groß ist, wie sie annehmen, wage ich zumindest zu bezweifeln. Laut dem Ergebnis des “Bayern-Trend” vom Januar 2011 beantworteten 50% der jungen Menschen in der Altersgruppe 18-24 Jahre die Frage “Sollten die Olympischen Winterspiele in München stattfinden?” mit Nein. Nur 45% antworteten mit “Ja”. Damit ist die Mehrheit in der jüngsten erhobenen Altersgruppe mehrheitlich gegen die Olympischen Winterspiele in München eingestellt.
Ich hoffe Ihnen meinen Standpunkt etwas näher gebracht zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Ludwig Hartmann