Neue Energie für Bayern

Stromspeicherung durch Pumpspeicherkraftwerke

Stromspeicherung durch Pumpspeicherkraftwerke -ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Vollversorgung mit Erneuerbarer Energie
Unser Ziel 100 % Stromerzeugung auf Basis der erneuerbaren Energien zu erreichen wird zum größten Teil auf der Basis von Windenergie und Sonnenenergie erreicht werden.
Da Wind- und Sonnenenergie lokal aber nur zeitweise zur Verfügung stehen, aber eine durchgängige Stromversorgung erwünscht ist, müssen dazu Lösungen entwickelt werden. Ein Teil der Lösung ist der Netzausbau um Wind- oder Solarstrom aus anderen Gegenden Europas transportieren zu können. Dies wird jedoch nicht ausreichen: Stromspeicherkapazitäten sind daher nötig.
Die Nutzung der Biomasse wird aus verschiedenen Gründen nicht die zentrale Rolle bei der Stromversorgung spielen. Biomasse ist nicht unbegrenzt verfügbar; die energetische Nutzung steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und zur Biodiversität. Voraussichtlich werden wir die energetische Nutzung auch vorrangig im Kraftstoffbereich benötigen, für Schwertransporte und Flugzeuge.
Jenseits der mengenmäßigen Versorgungssicherheit gibt es ein zweites Argument für den Ausbau von Stromspeichern: die Erhaltung der Netzstabilität (Frequenz, Spannung, Blindleistung), also einen Bedarf an sog. Regelenergie. Diese Regelenergie, die kurzfristig zum Einsatz kommen muss, wird vor allem von flexiblen Kraftwerken (derzeit vor allem aus Erdgasbasis) geliefert. In einem Szenario auf Basis von Erneuerbaren Energien müssen dafür vor allem Biogasanlagen und Stromspeicher zur Verfügung stehen.

Technische Einführung: Welche Stromspeichermöglichkeiten gibt es?

Die Speicherung der im elektrischen Strom enthaltenen Energie ist dann nötig, wenn man den Erzeugungsprozess vom Verbrauchsprozess zeitlich trennen will. Dabei muss diese Energie in eine andere Energieform umgewandelt werden. Derzeit stehen vier verschiedene Speicherformen zur Verfügung: elektrische Speicherformen (Kondensatoren), chemische Speicherformen (Wasserstoff, Methan), elektrochemische Speicherformen (Akkumulatoren) sowie mechanische Speicherformen (Schwungrad, Druckluftspeicher, Pumpspeicher). Jede Speicherform und jedes einzelne Speichersystem in seiner konkreten Ausgestaltung ist für bestimmte Einsatzbereiche geeigneter als andere. Bei der Frage, welche Energiespeicherformen für die Umsetzung der Energiewende eine Rolle spielen werden, müssen folglich die verschiedenen Einsatzbereiche von Speichern im Stromnetz näher betrachtet werden. Diese Einsatzbereiche lassen sich anhand der Zeitspanne einteilen, in der die Energie gespeichert werden muss. So sind für die Netzspannungsqualität und für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung vor allem Sekunden- und Minutenspeicher notwendig. Für eine Notstromversorgung werden Minuten- sowie Stundenspeicher genutzt. Auf der Ebene eines umfassenden Energiemanagements, d.h. die Herstellung von Lastausgleichen im Tages-, Wochen- oder sogar Jahresrhythmus, sind entsprechende Langzeitspeicher, also Tages-, Wochen- und Jahresspeicher von Bedeutung. Weil bei der Stromversorgung mittels Wind- und Sonnenenergie gerade die letztgenannten Zeitspannen naturgemäß überbrückt werden müssen, werden bei der Energiewende aller Voraussicht nach folgende derzeit verfügbare, jedoch unterschiedlich weit entwickelte Speichersysteme eine Rolle spielen: Pumpspeicher, Druckluftspeicher, Energiespeicherung durch Erzeugung von Wasserstoff/Methan sowie Batteriespeicher in Form von Akkumulatoren. Jedes dieser Systeme soll im Folgenden kurz dargestellt werden.

• Pumpspeicher
Das Funktionsprinzip von Pumpspeicherkraftwerken beruht auf der Umwandlung von potentieller in elektrische Energie mittels zweier auf unterschiedlicher Höhe gelegenen Wasserspeichervolumen. Wird das Wasser bei Bedarf aus dem höher gelegenen Speichervolumen (Oberbecken) in das untere Speichervolumen (Unterbecken) abgelassen, kann man mittels zwischengeschalteter Turbinen und Generatoren aus der Fallenergie des Wassers elektrische Energie gewinnen. Wenn dagegen gerade kein Bedarf an zusätzlicher elektrischer Energie besteht, vielmehr ein Überangebot an Strom herrscht, kann dieser genutzt werden, wieder Wasser in das Oberbecken zu pumpen und dieses für eine spätere Verstromung vorzuhalten. Pumpspeicherkraftwerke werden in Deutschland wegen ihrer hohen Flexibilität bei der Stromannahme bzw. -abgabe bereits seit den 1920er Jahren betrieben. Über 30 dieser Werke gibt es momentan in Deutschland. Diese Technik gilt derzeit als günstigstes und am besten erprobtes Speichersystem. Der durchschnittliche Wirkungsgrad liegt bei etwa 80 Prozent.

• Druckluftspeicher
Stark vereinfacht besteht ein Druckluftspeicherkraftwerk aus einer Kaverne, in welche mittels eines Kompressors Luft unter hohem Druck eingespeichert wird. Bei Bedarf wird die Luft abgelassen und mit der dadurch freigesetzten Druckenergie eine Turbine angetrieben, die mit einem Generator verbunden ist, der Strom erzeugt. Allerdings führt die Tatsache, dass es bei der Verdichtung bzw. Dekompression der Luft zu großen Temperaturanstiegen bzw. -stürzen kommt, dazu, dass die Anlagen weit komplizierter aufgebaut werden müssen, als es das Funktionsprinzip zunächst vermuten lässt. So müssen Druckluftspeicherkraftwerke meist in Kombination mit Gaskraftwerken gedacht werden, durch welche die beim Druckablass extrem erkaltete Luft vor Eintritt in die Turbine erwärmt werden kann und so ein Vereisen der Turbine verhindert wird. Der Rückgriff auf andere Energieträger (hier beispielsweise Erdgas) verringert den Wirkungsgrad solcher Anlagen allerdings erheblich. Weltweit gibt es momentan lediglich zwei solcher Kraftwerke.

• Erzeugung von Wasserstoff oder Methan
Überschüssiger Strom kann auch dazu verwendet werden, durch Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. Bei diesem Prozess wird der Grundstoff Wasser durch Stromzufuhr in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Letzterer kann als eigenständiger Energieträger über einen theoretisch unbegrenzten Zeitraum gespeichert werden. Als Speicherort können gewöhnliche Gasspeicher oder aber das Erdgasnetz genutzt werden. Ein Wasserstoffanteil von bis zu 20 Prozent im Erdgasnetz ist aus technischer Sicht grundsätzlich denkbar, wurde aber bis dato noch nicht erprobt.
In einem weiteren Schritt kann der Wasserstoff auch zu Methan weiterverarbeitet werden. Bei der Methanisierung lässt man Wasserstoff mit Kohlenstoffdioxid zu Methan reagieren. Bei diesem Prozess sind Temperaturen zwischen 300° und 700° Celsius notwendig, was einen erneuten Einsatz von Energie bedeutet. Wird das Methan anschließend wieder verstromt, beläuft sich der Wirkungsgrad der gesamten Prozesskette auf nur noch 30 bis 45 Prozent. Dafür kann Methan dem Erdgasnetz unbegrenzt zugefügt werden, da normales Erdgas sowieso fast ausschließlich aus Methan besteht.

• Batteriespeicher
In elektrochemischen Speichersystemen wird elektrische Energie in Batterien, genauer wiederaufladbaren Akkumulatoren, gespeichert. Die Funktionsweise beruht auf der Umwandlung von elektrischer in chemische Energie. Ausschlaggebend für Wirkungsgrad, Kapazität und Energiedichte dieser Speichersysteme sind die verwendeten Grundstoffe sowie deren Zusammensetzung in den Batteriezellen. Zu nennen wären beispielsweise Blei-, Lithium-Ionen-, Nickel-Cadmium-, Natrium-Schwefel- oder Lithium-Polymer-Akkumulatoren. In Batterie-Speicherkraftwerken werden mehrere tausend Akkumulatoren zusammengeschaltet und wegen ihrer extrem kurzen Regel- und Startzeit vor allem zur Netzstabilisierung und zur kurzzeitigen Abdeckung von Spitzenlasten im Minutenbereich verwendet. Kleinere Einheiten können als dezentrale Tagesspeicher im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen für den Hausgebrauch betrieben werden. Ein wirtschaftlicher Betrieb als Langzeitspeicher in der Größenordnung der oben dargestellten  Speichersysteme ist derzeit eher unwahrscheinlich, da Akkumulatoren eine nur begrenzte Lebensdauer haben (etwa 100 – 1000 Ladezyklen) und bei intensivem Betrieb sehr wartungsintensiv sind. Eine Ausnahme machen sogenannte Redox-Flow-Zellen. Sie haben eine deutlich höhere Lebenserwartung und entladen sich gerade bei längeren Speicherperioden nicht selbst. Die Kapazität dieser Zellen lässt sich theoretisch beliebig erhöhen. Allerdings ist der benötigte Grundstoff Vanadium nur sehr begrenzt verfügbar. Außerdem sind die Investitionskosten noch sehr hoch. Ebenso wurden bisher noch keine funktionsfähigen Anlagen errichtet.

Genau wie bei der Diskussion über die Wahl der richtigen Energieerzeugungsanlagen im Zuge der Energiewende lässt sich über die Wahl adäquater Speicher sagen, dass ein gut durchdachter gemischter Einsatz verschiedener Technologien erfolgversprechender sein wird als die Fixierung auf nur ein Speichersystem.

Wie viele Stromspeicher brauchen wir?
Die Frage wie viel Stromspeicher wir brauchen – und wann wir sie brauchen - hängt selbstverständlich stark von der weiteren Entwicklung ab, die in vielen Punkten noch nicht absehbar ist:

- Gelingt die Erhöhung der Energieeffizienz und sinkt damit der Strombedarf?
- Wie schnell kommt die Elektromobilität und welche Speichermöglichkeit ist dabei tatsächlich realistisch und gesichert?
- Wie entwickelt sich der Ausbau der Photovoltaik (im Spannungsfeld von absehbarer Netzparität einerseits und erforderlichem, aber stockendem Ausbau der Verteilnetze)
- Wie entwickelt sich der Ausbau der Windenergie an Land und auf See?
- Wie entwickelt sich der Ausbau des Übertragungsnetzes in Deutschland?
- Kommt Desertec und wann?
- Wie schnell und wie viele flexible fossile Kraftwerke werden tatsächlich gebaut?
- In welchem Umfang kann das Lastmanagement zur Verschiebung von Stromspitzen genutzt werden?

Die Stromspeicherkapazität in Deutschland besteht derzeit zu weit über 99 % aus Pumpspeicherkraftwerken und beträgt insgesamt ca. 7000 MW. Aufgrund der oben genannten Unwägbarkeiten ist der zu erwartende Bedarf schwer abzuschätzen. Trotzdem gehen fast alle ExpertInnen davon aus, dass mittelfristig eine Verzehnfachung nötig ist. Im Endausbau wird eine Strommenge in der Größenordnung von ca. 50 TWh gespeichert werden müssen.

Unterschiedliche Bedarfe an Stromspeichern

Der Strombedarf in Deutschland schwankt in verschiedener Weise: Tagsüber ist er höher als nachts. Unter der Woche ist er höher als am Wochenende. Im Winter höher als im Sommer.
Das Angebot an Sonnenenergie ist sehr unterschiedlich. Tag und Nacht, Sommer und Winter, und dann auch noch Wetter abhängig.
Das Angebot an Windenergie ist ebenfalls unterschiedlich. Von Oktober bis März deutlich höher als im Sommer, und natürlich vom Wetter abhängig.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Speicherbedarfe, die sich grob in vier Kategorien einteilen lassen:

-    Kurzzeitspeicher (für wenige Stunden bzw. Tage, Tag-Nacht-Speicher)
-    Speicher für mehrere Tage (Schlechtwetterphasen)
-    Saisonspeicher (für sonnen- und windenergiearme Jahreszeiten)
-    Jahresspeicher (für windarme Jahre)

Die verschiedenen Speicherbedarfe werden zeitlich unterschiedlich anfallen
Die Kurzzeitspeicher werden absehbar als erstes gebraucht werden, da derzeit bereits immer wieder Windkraftanlagen, zunehmend aber auch Biogasanlagen und perspektivisch auch Solaranlagen abgeregelt werden, weil der Netzausbau nicht in ausreichendem Maße erfolgt ist. Die nichtgenutzte Strommenge aus EE wegen fehlender Netzkapazitäten betrug im Jahr 2010 ca. 127 GWh, das entspricht einer Zunahme um 74 % im Vergleich zu 2009. Teilweise treten schon an einem sonnigen Augustwochenende mittlerweile auch in Bayern Netzprobleme auf, weil die PV-Stromproduktion den Bedarf deutlich übersteigt. Die Bundesnetzagentur geht in den Jahren 2011 und 2012 von einem weiteren Zubau von PV in der Größenordnung von 11 GW aus, so dass Ende 2012 vermutlich 28 000 MW installiert sind.
Zunehmend wird daher nicht der fehlende Netzausbau der Grund für die Abregelung von Erneuerbaren Energien, sondern die tatsächliche „Überproduktion“.
Jenseits dieser „Mengenfrage“ stellen sich dabei noch wirtschaftliche Überlegungen. Wie sinnvoll/rentabel ist es erneuerbaren „Überschussstrom“ durch ein ausgebautes Netz zu transportieren und wegen des aktuellen Überangebots trotzdem billigst irgendwo zu vermarkten, im Vergleich zur Speicherung in Zeiten niedrigen Angebots und entsprechend höherer Preise bei einem schwachen Angebot an Wind und Sonneneinstrahlung.

Ökonomische und ökologische Überlegungen bei der Auswahl der Speichertechnologien
Welche Speichertechnologien zum Einsatz kommen, wird natürlich wesentlich von ökonomischen Fragen bestimmt werden. Für uns Grüne ist es aber selbstverständlich, dass wir dabei auf nachhaltige Lösungen drängen wollen.
Für die ökonomische Betrachtung sind verschiedene Faktoren interessant, wie etwa Wirkungsgrad, Anzahl der Ladezyklen, Energiedichte, evtl. Selbstentladungsrate, und natürlich die Investitionskosten. Die unterschiedlichen Technologien sind für unterschiedliche Speicherbedarfe geeignet. Es wäre Unsinn mit einem Pumpspeicherwerk eine Energiespeicherung über mehrere Monate oder Jahre organisieren zu wollen. Umgekehrt ist es wenig sinnvoll, häufig wiederkehrende Speicherfälle mit einer Technologie abzudecken, die vielleicht nur 1000 Ladezyklen durchhält oder einen schlechten Wirkungsgrad hat. Bei den ökonomischen Investitionsentscheidungen wird es weiterhin ganz entscheidend darauf ankommen, wie gesichert eine Technologie zur Verfügung steht.
Die Pumpspeicherkraftwerke haben diesbezüglich einige klare Vorteile. Es ist eine alte und bewährte Technologie, mit einem vergleichsweise hohen Wirkungsgrad und einer tendenziell unbeschränkten Anzahl von „Ladezyklen“ und vergleichsweise geringen Investitionskosten.
Andere Speichertechnologien sind oft nicht weit genug entwickelt oder finanziell nicht darstellbar (Schwungräder, Druckluft). Neben den Pumpspeicherkraftwerken sind Batteriespeicher noch am ehesten eine konkurrenzfähige Alternative. Aber auch hier sprechen die deutlich höheren Kosten (Studien gehen von siebenfach höheren Kosten aus) und die geringe tatsächliche Installation solcher Anlagen gegen eine wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit.
Ökologisch werden Pumpspeicherkraftwerke vor allem wegen des Natureingriffs und dem Flächenverbrauch kritisiert. Doch auch hier sollte eine vergleichende Betrachtung der Speichertechnologien nach verschiedenen Aspekten erfolgen. Da etwa die Batteriespeicher nicht kompakt in einem See gelagert werden können, ist deren Flächenverbrauch mit allem Installationsaufwand nicht zu unterschätzen. Fairerweise muss man auch den Flächenverbrauch und die Folgen der Rohstoffgewinnung bei den Technologien mit einbeziehen. Dazu kommen die Anlagen zur Herstellung der Batterien und deren Entsorgung und die damit verbundenen Umweltauswirkungen. Insbesondere bei Lithium-Batterien ist auch die weltweite Beschränktheit dieses Rohstoffes zu berücksichtigen.
Neben Pumpspeicherkraftwerken und Batterie-Speichern hat sich in den letzten Jahren keine andere Speichertechnologie etablieren können. Batteriespeicher wurden kaum in größeren Einheiten geschaffen. Da das Stromspeichergeschäft in den vergangenen Jahren durchaus lukrativ war, lässt sich anhand der Investitionsentscheidungen der letzten Jahre auch ablesen, dass der ökonomische Vorteil der Pumpspeicherkraftwerke deutlich größer war.

Offene Fragen bei den „neuen Speichertechnologien“
In den letzten Monaten geistert Windgas, Biomethan (oder auch unter anderem Namen) als neue Idee durch die Medien. Dies ist die Idee, überschüssigen Strom zur Elektrolyse von Wasser zu verwenden und dann entweder den Wasserstoff dem Erdgasnetz beizufügen (was in beschränkten Umfang möglich ist) oder durch einen weiteren chemischen Prozess aus Wasserstoff und Kohlendioxid Biomethan herzustellen, das ins Erdgasnetz eingespeichert werden kann.
Der letztgenannte Prozess hat beim heutigen Stand von Wissenschaft und Technik einen Wirkungsgrad zwischen 30 % und 45 % und ist über Pilotanlagen noch nicht hinausgekommen. Offen ist auch noch die Frage, woher das CO2 für diesen Prozess kommen soll, wenn die Technik breiter angewendet werden soll.  In einem Szenario, das auf fossile Energieträger verzichten will, könnte es nur aus CCS-Anlagen bei der Biomasseumwandlung stammen. Dies erfordert einerseits den Einstieg in die CCS-Technologie, andererseits gibt es auch Zweifel, in welchem Umfang  diese CCS-Technologie dann bei der zu erwartenden regionalen Verteilung der Biomassenutzung angewendet werden kann. Angesichts des geringen Wirkungsgrads einerseits und der guten Lagereigenschaften im Erdgasnetz bzw. in Erdgasbunkern wird diese Technologie vor allem für die Langzeitspeicherung interessant werden.
Ebenso begeistert wird über die Möglichkeit von Pumpspeicherkraftwerken in Norwegen gesprochen. Diese Idee erscheint technisch deutlich realistischer und ökonomischer. Aber auch dazu muss gesagt werden, dass diese Idee in Norwegen nicht auf uneingeschränkte Begeisterung stößt und dort durchaus auch Bedenken aus dem Bereich des Naturschutzes vorgetragen werden. Jedoch würde ein besserer Stromverbund mit Norwegen die Speicherfrage etwas abmildern.

Pumpspeicherkraftwerke gestern, heute und morgen
Der Unterschied zwischen den Pumpspeicherkraftwerken der Vergangenheit und der Zukunft liegt nicht in der Technologie, sondern im zu Grunde liegenden Geschäftsmodell.
Das alte Geschäftsmodell basierte im Wesentlichen auf der Nutzung von nächtlichen Stromüberschüssen aus dem Betrieb von Grundlastkraftwerken zum Hochpumpen von Wasser und dem Verkauf von Strom zu Spitzenzeiten des Strombedarfs durch Ablassen des Wassers. Dieses Geschäftsmodell lebte von der Preisdifferenz zwischen „billigen Nachtstrom und teurem Tagstrom“. Aus dieser Preisdifferenz wurden die Kosten des Betriebs getragen und damit wurden die „Energieverluste“ beim Betrieb ausgeglichen.
Dieses Geschäftsmodell gerät zunehmend in die Krise. Zum einen ist insbesondere in den letzten beiden Jahren der Preis für Spitzenstrom deutlich zurückgegangen. Nicht zuletzt da die Photovoltaik in vielen Tagen im Jahr mittlerweile einen nennenswerten Bereich dieser Spitze abdeckt. Zum andern wird die Grundlastkapazität zunehmend geringer - nicht zuletzt in diesem Jahr durch die Stilllegung von 8000 MW Atomkraftwerkskapazität.
Dies zeigt sich auch schon in der Praxis beim alltäglichen Betrieb der bestehenden Pumpspeicherkraftwerke. Während früher der Betrieb relativ einfach war (nachts Pumpen, tagsüber Strom produzieren) wechselt inzwischen der Einsatz mehrmals täglich. Dies steht schon jetzt in direkter Verbindung mit dem jeweils aktuellen Windenergie- bzw. Solarstromangebot, das Auswirkungen auf den Strompreis an der Strombörse in Leipzig hat.  So wird etwa bei Starkwind/Schwachlast-Situationen gepumpt und bei Schwachwind/Starklast-Situationen Strom produziert – ökonomisch getrieben von der Preisdifferenz.
Und dies ist der Anfang für die Entwicklung des neuen Geschäftsmodells. Wenn wir hoffentlich bald aus den AKWs und den Braunkohlekraftwerken aussteigen werden, dann gibt es das alte Geschäftsmodell nicht mehr. Dann sind die Pumpspeicherkraftwerke sinnvoll und notwendig um Spitzenstrom zu speichern und Flauten abzufedern. Gerade auf Grund der Tatsache, dass Wind und Sonne nur einige Tausend Stunden im Jahr zur Verfügung stehen, werden wir deutlich mehr Überschussstrom produzieren müssen, der dann aber auch gespeichert werden muss.
Gerade in Bayern kann sich schon sehr bald die Situation ergeben, dass wir sommerliche PV-Stromüberschüsse in die Abend- und Nachtstunden speichern können und sollten. Bereits im Sommer 2011 gab es Situationen, in denen der Strompreis auf dem Spotmarkt tagsüber (!) bei unter 3 Cent pro kWh lag.
Da auch dieser „Überschuss-Strom“ noch nach dem EEG vergütet wird, ist es naheliegend, dass er gespeichert werden soll und dies möglichst kosteneffizient.

Akzeptanz von Pumpspeicherkraftwerken
Natureingriffe dieser Größenordnung bedürfen einer besonderen Rechtfertigung und sollten nur durchgeführt werden, wenn der Entschluss für diese Vorhaben leicht nachvollzogen werden kann und von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt wird. Dafür scheinen jedoch Anstrengungen seitens der künftigen Betreiber als auch der Politik notwendig. Politische Überzeugungsarbeit könnte beispielsweise darin liegen, die Erstellung eines bayern- oder bundesweiten Katasters in Auftrag zu geben, aus dem ersichtlich ist, wie viele potenzielle Standorte es gibt und welche davon aus ökonomischer, aber vor allem aus ökologischer Sicht am sinnvollsten genutzt werden können.
Auf Seiten der Betreiber könnten dagegen Anstrengungen hilfreich sein, die betroffene Bevölkerung sowohl bei der Planung als auch bei der zur erwartenden Wertschöpfung zu beteiligen. Letzteres könnte durch genossenschaftliche oder fondsähnliche Beteiligungsmodelle realisiert werden. Bei Bereitstellung oder Veräußerungen von Grundstücken, die sich im Besitz des Freistaates befinden und die zum Bau von Speicherkraftwerken genutzt werden sollen, könnte darüber hinausgehend zur Auflage gemacht werden, dass das Angebot einer Bürgerbeteiligung vertraglich verankert werden muss. Dadurch können sowohl die Akzeptanz solcher Vorhaben als auch generell die Chancen einer von den Bürgerinnen und Bürgern mitgestalteten Energiewende erheblich gesteigert werden.
Dass Bürgerinnen und Bürger auch ohne größere unternehmerische Investoren aktiv werden, zeigt ein Projekt in Dirlewang in Schwaben, wo der Leiter des Energiezentrums Guggenmos ein reines „Bürgerpumpspeicherwerk“ zusammen mit der Bevölkerung der Gemeinde realisieren will.

Fazit:
Die Entwicklung von Stromspeichern ist eine der zentralen Herausforderungen für die Erreichung einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien im Strombereich. Die Pumpspeicherkraftwerke sind von ihrer Größe, ihren Investitions- und Betriebskosten und ihrem Wirkungsgrad die mit Abstand bevorzugte Technologie – vor allem handelt es sich um eine bewährte und tatsächlich zur Verfügung stehende Technologie.  Sie sind vor allem für kurzfristige Speicherbedarfe geeignet, zur Langzeitspeicherung sind sie nicht geeignet. In den nächsten Jahren werden die bestehenden Pumpspeicherkraftwerke die absehbaren  Stromüberschüsse aufnehmen können. Ihre Kapazität muss ausgebaut werden, wohl wissend, dass mit Pumpspeicher nur ein Teil des Speicherproblems gelöst werden kann. Bayern ist auf Grund seiner Topografie für diese Art der Stromspeicherung grundsätzlich ein geeignetes Gebiet.

Stand 12/2011